Entwicklungen im Transportwesen: das Jahr im Rückblick

 

Zum Ende eines Jahres, das umfassende Änderungen und Herausforderungen gebracht hat, habe ich in einem virtuellen Gespräch mit zwei meiner sehr sachkundigen Kollegen aus der Transportbranche darüber gesprochen - Valentin Scinteie, Director of Business Development, und Jean-Francois Cleroux, Produktmanager. Ich war neugierig auf ihre Gedanken darüber, wie sich das Transportwesen im Jahr 2020 verändert hat und was ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren auf diese spannende Branche zukommen wird.

 

 

Tania: Was sind die größten Herausforderungen, die wir derzeit im Transportwesen sehen?

 

Valentin: Eine große Herausforderung sehe ich darin, dass autonome Maschinen noch nicht im Mainstream angekommen sind. Trotz vieler bedeutender technologischer Entwicklungen sehen wir noch nicht genug Automatisierung auf den Straßen oder Baustellen. Autonome Fahrzeuge haben die Welt des Transports dramatisch verändert, sie verbessern die Effizienz, Produktivität und natürlich die Sicherheit. Ein Hauptvorteil ist die Verringerung von Unfällen durch menschliches Versagen. Das Vertrauen der breiten Masse in Bezug auf automatisierte Roboter, die Aufgaben für uns erledigen, ist hier sicherlich von entscheidender Bedeutung. Fakt ist aber, dass diese sicherer sind als der Mensch. Durch Künstliche Intelligenz (KI) und Deep-Learning-Technologie verbessern Maschinen die Geschwindigkeit und Genauigkeit von Vorgängen, wodurch Kunden von einer schnelleren Markteinführung, geringeren Gesamtbetriebskosten sowie mehr Sicherheit und Leistung profitieren können.

 

Durch den Aufbau eines Proof of Concept (PoC) ist ein Kunde in der Lage, mit der Unterstützung unseres Kontron-Teams eine Lösung zu produzieren und zu testen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse für ihn funktionieren. Der Markt ist auf dem Weg, reifer zu werden, alles dank Unternehmen wie Tesla, Caterpillar und den Investitionen anderer Brancheninnovatoren. Für Kunden, die nicht wissen, wo sie anfangen sollen, empfehlen wir, erstmal einen PoC nach dem anderen anzugehen. Es gibt so viele Use Cases da draußen, da kann der Überblick sonst schonmal verloren gehen. Letztendlich sind die von den Kunden bevorzugten Projekteigenschaften diejenigen, die einen soliden ROI bieten.

 

 

Jean-Francois: Um auf Valentins Punkt einzugehen: Der einzige Weg, in dieser Branche voranzukommen, ist das Experimentieren und die ständige Verbesserung. Mit den vielen Entwicklungen in Bezug auf beschleunigte Prozesse, Software-Stacks und Partner war die Flexibilität, diese Systeme in die Infrastruktur eines Kunden anpassen zu können, noch nie so groß. Kontron weiß, wie wichtig es ist, modernste Bausteine mit kurzen Vorlaufzeiten zu bieten. Unsere Embedded Systeme können bei Bedarf schnell mit zusätzlichen Funktionen aufgerüstet werden, damit Kunden schneller ihre Ziele erreichen. Unser breites Portfolio an Fahrzeuglösungen aus industriebasierten Komponenten ist darauf ausgelegt, die vielfältigen Anforderungen der ITS-Industrie (Intelligent Transportation Systems) zu erfüllen, so dass sich der Markt auf sein Kerngeschäft konzentrieren, seine TCO reduzieren und den Rest uns überlassen kann.

 

 

Tania: Und wie helfen wir ihnen beim Einstieg?

 

Valentin: Wir wissen, dass jeder Kunde einen anderen Bedarf und ein anderes Ziel hat. Wir führen viele PoCs mit Kunden durch, bei denen wir alle aus den gemeinsamen Erfahrungen lernen. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnissen sind wir dann in der Lage, Schlussfolgerungen zu ziehen, die den richtigen Technologie-Mix besser identifizieren. Davon profitieren auch Kunden mit ähnlichen Herausforderungen. Um ein Problem zu lösen, müssen mehrere Elemente zusammenkommen, und wir arbeiten mit einer langen Liste strategischer Partner zusammen - Software-Anbieter, Hardware-Anbieter und Systemintegratoren, die den Kunden helfen, ihre Ziele zu erreichen.

 

 

Tania: Wie hat sich COVID-19 auf das Transportwesen ausgewirkt?

 

Valentin: Es hat nachteilige Wirkungen gegeben, aber auch überraschende positive Effekte. Wir haben in bestimmten Bereichen Wachstum gesehen, trotz dieser beispiellosen Krise. Vor allem bei Transportkunden, die sich entschieden haben, ihre Flotten produktiver zu machen. Sie haben sich die Zeit genommen, ihre Flotten in dieser auslastungsschwächeren Zeit zu aktualisieren, um sich auf die nächsten Jahre der Innovation und des Wachstums vorzubereiten.

 

Aus der Perspektive des öffentlichen Nahverkehrs und der Bahn hat die Pandemie zu einem erheblichen Rückgang der Fahrgastzahlen geführt, was wiederum einen enormen Rückgang der öffentlichen Mittel zur Folge hatte. Regierungen stellen Städten öffentliche Mittel zur Verfügung, um den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern und auszubauen, aber durch COVID ist es viel schwieriger geworden, diese zu bekommen. Dieser Bereich des Transportwesens wird seine Strategien für eine bessere Zukunft überdenken müssen. Was ich aber mit Sicherheit weiß, ist, dass autonome Fahrzeuge eine große Rolle dabei spielen werden, Veränderungen auf den Weg zu bringen.

 

Aufmerksame Leser der Tagesnachrichten haben wahrscheinlich die Zunahme von Konsolidierungen, Fusionen und Übernahmen in diesem Jahr zur Kenntnis genommen. Organisationen, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, sind für größere Unternehmen mit dem nötigen Cashflow attraktiv geworden, um sie zu übernehmen. Amazon erwarb das selbstfahrende Auto-Start-up Zoox für einen nicht genannten Betrag, aber Berichten zufolge kostete die Transaktion über 1 Milliarde Dollar. Das Technologie-Start-up Aurora erwarb die Uber-Einheit für automatisiertes Fahren, Uber ATG. Dies sind nur einige der großen Investitionen in Technologien für Autonome Mobilität, die im Laufe des Jahres getätigt wurden.

 

Jean-Francois: Die Pandemie hat zudem die Nutzung von Automatisierungstechnologie auf die Überholspur gebracht. Ein Effekt dieser Beschleunigung ist eine Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Störungen, z.B. den Mangel an Arbeitskräften. Wir haben solche Veränderungen seit so vielen Jahren nicht mehr gesehen, dass es sich fast so anfühlt, als wäre es über Nacht passiert. Ein gutes Beispiel ist das Wachstum bei Lieferrobotern - Maschinen, die Waren wie Lebensmittel, Medikamente, Reinigungsmittel und Haushaltsartikel nach Hause liefern. Die Nachfrage nach Lebensmittel-Lieferdiensten wie Doordash und UberEats ist aufgrund der Lockdowns in die Höhe geschnellt und hat den Umsatz dieser Unternehmen manchmal verdoppelt. Auch die lokale Landwirtschaft ist in vielerlei Hinsicht betroffen. Landwirte nutzen die Technologie, um ein Effizienzniveau zu erreichen, das mit traditionellen Methoden nicht möglich war. Sie erzielen eine höhere Produktivität auf demselben Stück Land, was weniger Abfall bedeutet, und sparen mehr Energie und Kraftstoff. Und sie nehmen dabei Rücksicht auf die Umwelt. Eine grünere Gesellschaft und ein schnellerer Service sind beides Schlüsselfaktoren für die automatisierte Zustellung.

 

COVID hat sicherlich auch einen Einfluss auf den Verkehr und die Staus auf unseren Straßen. Der Begriff der Rushhour ist praktisch verschwunden, und das Aufkommen an Autos im Laufe des Tages hat sich in allen Regionen verringert. Weniger Staus bedeuten, dass Flotten in der Lage sind, Waren und Dienstleistungen zu den Bürgern vor Ort mit weniger Verkehrsunterbrechungen oder Hindernissen zu bringen.

 

 

Tania: Gibt es neue Entwicklungen im Transportwesen bei Kontron für 2020?

 

Valentin: Wir setzen weiterhin auf autonome Technologien für unsere Kunden und bieten intelligente Systeme im Fahrzeug. Wir haben eine neue Plattform auf den Markt gebracht, die den Einsatz schwerer Maschinen im Baugewerbe, in der Landwirtschaft, im Lkw-Verkehr und im Bergbau verbessert: EvoTRAC S1901. Die neue Plattform füllt eine Lücke in der Branche, sie bietet modulare KI-optimierte Systeme, die GPU-beschleunigte Anwendungen in einem kompakten, robusten Formfaktor ermöglichen. OEM-Lieferanten (Original Equipment Manufacturer) von Industrieanlagen haben einen starken Bedarf an vielseitigen, intelligenten Lösungen, die sich leicht an hochindividuelle Anforderungen anpassen lassen und auch in extremsten Umgebungen bestehen können.

 

Jean-Francois: Ich muss betonen, dass die funktionale Sicherheit dieses Systems entscheidend ist. Jedes On- oder Off-Road-Fahrzeug, das autonome oder teilautonome Technologien einsetzt, benötigt Embedded Sicherheitsfunktionen, die automatische Schutzreaktionen im Falle eines möglichen Unfalls oder eines Eingabefehlers verlässlich auslösen. Wir planen, die Produktlinie um weitere Systeme für Branchen zu erweitern, in denen Sicherheit ein Thema ist.

 

Das Ersetzen des Menschen in einer Wertschöpfungskette erfordert Planung, Methodik und Sicherheit. Die Integration von intelligenten Maschinen, die einen Teil der Arbeit übernehmen, ermöglicht es dem Menschen, sich auf das große Ganze zu konzentrieren.

 

 

Tania: Wie wird sich das Transportwesen Eurer Meinung nach in den nächsten Jahren entwickeln?

 

Valentin: Eine große Disruption wird bereits in 5 bis 10 Jahren eintreten. Während wir uns alle darauf freuen, im ersten fliegenden Auto zu sitzen, werden Schlüsseltechnologien wie Akkulösungen, Elektrofahrzeuge, autonome Fahrzeuge und On-Demand-Transport immer mehr zusammenwachsen. Auf dem Weg zu Smart Cities wird sich das Transportwesen zu einem Mobile-as-a-Service (MaaS)- oder Transportation-as-a-Service (TaaS)-Modell entwickeln, bei dem den Fahrgästen maßgeschneiderte Mobilitätsdienste auf der Grundlage der individuellen Bedürfnisse angeboten werden. Da immer weniger Menschen ein eigenes Fahrzeug besitzen, werden Mitfahr- und Sharing-Dienste, die sie von A nach B bringen, immer beliebter. Darüber hinaus werden die Menschen Transportpakete auf monatlicher Basis kaufen.

 

Immer weniger Menschen werden ein eigenes Auto besitzen, da es erschwinglicher sein wird, solche Pakete und Dienste zu kaufen. Diese Verschiebung wird auch positive Auswirkungen auf die Umwelt haben. End-to-end- Fahrten für die Fahrgäste werden einfacher werden und die Systeme werden über umfangreiche KI-Fähigkeiten verfügen, um sich Fahrten individuell anzupassen und zu planen. Autonome Technologien werden ausgereifter, die rechtlichen Rahmenbedingungen werden besser und die Kosten für die Technik werden sinken.

 

Jean-Francois: Die Branche befindet sich gerade in einer Art permanenten Lernphase. Die Algorithmen für den Einsatz von Systemen im Fahrzeug entwickeln sich ständig weiter und erfordern weniger teure Hardware. Kontron arbeitet aktiv an der Lösung dieses Komplexes, indem wir mehr in das Lernen der heutigen Einsatzmodelle investieren. Wir bereiten uns auf den richtigen Technologie-Mix für den kommerziellen Einsatz von morgen vor und sind bestrebt, unser Wissen mit unseren Kunden zu teilen.

 

 

Wir würden gerne mehr über Ihre aktuellen Bedürfnisse und Herausforderungen erfahren und darüber, wie COVID Ihr Unternehmen beeinflusst hat. Wenn Sie zukünftige Transportprojekte besprechen möchten, können Sie uns gerne direkt unter transportation@kontron.com kontaktieren.

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