Nachgefragt: Warum entwickelt Kontron seine 19“ Rechnergehäuse eigentlich selbst?

 

Im Interview erklärt uns Kontron Produktmanager Günther Dumsky, warum es Sinn macht, die 19“ Gehäuse für Kontrons KISS Rackmount-Systeme selbst zu entwickeln und wie der Kunde vom Inhouse-Design profitiert.

 

Kontron Blog Team: Herr Dumsky, bitte erklären Sie uns, welche Nachteile es mit sich bringt, seine Produkte in herkömmliche off-the-shelf Gehäuse aus Asien zu integrieren.

Günther Dumsky: Haben Sie schon mal einen 300 PS Motor in einen Trabbi gebaut? Nein? - sollten sie auch nicht! Die Blechstärke herkömmlicher off-the-shelf Gehäuse - die dem Werkzeug und dem Preis geschuldet ist - beträgt bei diesen Gehäusen meistens 0,8 mm, was sich negativ auf die Steifigkeit, Stabilität und Verwindungsfestigkeit auswirkt. Besonders beim Transport und beim Einsatz in vibrationsreichen Umgebungen machen sich diese Eigenschaften schnell negativ bemerkbar.

 

Kontron Blog Team: Über welche Blechstärke verfügen ihre Inhouse-gefertigten Gehäuse?

Günther Dumsky: Die Blechstärke unserer Gehäuse beträgt von 1,0 mm bis 1,6mm, das erhöht die Stabilität und verhindert Verwindungen. Außerdem ist unser Material feuerverzinktes Stahlblech und dadurch Langzeit-EMV stabil, was bedeutet, dass auch bei hoher Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen im Dauerbetrieb, die zugesicherten EMV-Eigenschaften nicht verloren gehen.

 

Kontron Blog Team: Und wie sieht es mit kundenspezifischen Anpassungen aus? Können off-the-shelf Gehäuse überhaupt kontinuierlich optimiert werden, oder ist das etwas, was nur ein Inhouse-Design leisten kann?

Günther Dumsky: Richtig, das kann eigentlich nur unser Inhouse-Design zufriedenstellend leisten. Herkömmliche off-the-shelf Gehäuse wurden einmal für ein Werkzeug designed und werden danach nicht mehr optimiert, da dies bedeuten würde, dass ein neues, teures Werkzeug angeschafft werden müsste. Die Konsequenz daraus ist, dass diese Gehäuse nicht mehr ohne Weiteres an aktuelle Anforderungen angepasst werden können, wie z.B. eine bessere Kühlung für performantere CPUs, Einbaumöglichkeiten für modernere Laufwerke etc. Auch Anpassungen an kundenspezifische Anforderungen bei kleinen und mittleren Stückzahlen sind dadurch nur schlecht umsetzbar. Der Kunde möchte z.B. ein redundantes Netzteil eingebaut haben? Das ist off-the-shelf nur mit aufwendigen Zusatzteilen möglich, die dann auch die Montage/Wartungsfreundlichkeit beeinträchtigen. Da wir das Gehäuse-Know-how im Hause haben, können unsere Ingenieure Kundenwünsche flexibel, schnell und effektiv umsetzen und somit die Time-to-Market immens verkürzen. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei geringfügigen Anpassungen keine Einmalkosten anfallen.

 

Kontron Blog Team: Stichwort Design – bietet Kontrons Inhouse-Design dem Kunden die Möglichkeit, seine Gehäuse an individuelle Wünsche anzupassen?

Günther Dumsky: Selbstverständlich! Ein unverwechselbares Design ist mittlerweile eine Anforderung vieler unserer Kunden, und auch unser Anspruch ist ein gewisser Wiedererkennungswert unserer Produkte. Mit einem herkömmlichen off-the-shelf Gehäuse, welches bei vielen Distributoren weltweit zu kaufen ist, ist dies nicht möglich. Unser flexibles, mechanisches Konzept erlaubt es beispielsweise, die Fronttüren unserer Systeme problemlos und kosteneffektiv an Kundenwünsche, z.B. hinsichtlich Farbgebung, Design und Bedruckung, anzupassen.

 

Kontron Blog Team: Welche zusätzlichen Funktionalitäten bieten ihre Gehäuse?

Günther Dumsky: Kontron hat z.B. für alle 19“ Systeme der KISS Familie standardmäßig ein effektives, optimales „Cooling Concept“ entwickelt, welches es unseren Kunden erlaubt, ihre Rechner bei bis zu 50°C im 24/7 Modus zu betreiben. Auch beim Thema ‚Sicherheit‘ haben wir uns etwas einfallen lassen: Der Deckel unserer Gehäuse kann bei verschlossener Klappe nicht zerstörungsfrei vom System genommen werden, so dass ein unerwünschter Zugang zu Laufwerken und I/OS von vorne effektiv verhindert wird. Unsere Kunden wünschen sich außerdem eine möglichst einfache und stressfreie Wartung und Reparatur ihrer Systeme. Auch diesem Wunsch sind wir selbstverständlich nachgekommen: Hot-swap Chassis- und Fanfilter reduzieren die MTTR um ein Vielfaches, da sie im laufenden Betrieb ohne Werkzeug ausgetauscht werden können. Zudem kann das System ohne Werkzeug, schnell und stressfrei für Upgrades geöffnet werden. Unsere KISS Rechner bieten außerdem die Möglichkeit, durch eine dritte Fixierungsmöglichkeit auch schwere full length CPU-Karten oder GPU-Karten zusätzlich mit dem Gehäuse zu verbinden, und dadurch Transportschäden oder Schäden in rauen Industrieumgebungen zu verhindern. Und unsere spezielle Schock- und Vibrationsaufhängung für Laufwerkskäfige lässt auch rotierende Massenspeicher bei hohen Schock- und Vibrationsbelastungen zuverlässig im Dauerbetrieb arbeiten.

 

Kontron Blog Team: Seit wann entwickelt Kontron seine 19“ Gehäuse der KISS-Produktfamilie schon selbst und inwiefern profitieren sie von ihrem gewachsenen Inhouse-Know-how?

Wir haben schon vor über 30 Jahren damit begonnen, die Rackmount-Gehäuse selbst zu entwickeln. Mittlerweile stecken in diesen Gehäusen viele Personenjahre an eigener Erfahrung sowie das Feedback vieler unsere Kunden. Trotzdem sind es selbstverständlich keine teuren, eierlegenden ‚Wollmilchsäue‘ geworden. Unser Anspruch war es, durch permanente Optimierung und Kostenreduzierung ein modernes, flexibles Gehäusedesign zu entwickeln, mit dem wir sehr viele Anforderungen unterschiedlichster Anwendungen erfüllen können. Der Erfahrungsaustausch mit unseren Kunden hat außerdem dazu geführt, dass durch zusätzliche, kostenneutrale Anpassungen weitere Funktionalitäten in die Gehäuse integriert wurden. Danke an dieser Stelle auch noch einmal an unsere Kunden, die mit uns zusammen diese außerordentliche Produktfamilie haben entstehen lassen!

 

 

Welche weiteren Vorteile bietet Inhouse-Design aus Eurer Sicht? Wir freuen uns über Eure Kommentare!

Herzlichen Dank!

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